Antje Hanebeck

Antje Hanebeck

Antje Hanebeck
14. November 2007. – 31. Januar 2008
PRESSE: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen zwei hochkarätige architektonische Projekte von internationaler Bedeutung: Die BMW Welt in München, gebaut nach den Plänen des Wiener Büros Coop Himmelb(l)au und vor drei Wochen der Öffentlichkeit übergeben, sowie das “Phaeno Science Center” in Wolfsburg, entworfen von der aus dem Irak stammenden, britischen Architektin Zaha Hadid. Die Bauwerke wurden von Antje Hanebeck während der Bauphase begleitet und im Anschluss fotografisch erschlossen und interpretiert. Durch labortechnische Verfremdungsprozesse erschuf sie die hier gezeigten Bildwelten, welche das Beobachtete in eine neue äthetische Dimension transportieren, die sich in den fotografischen Arbeiten manifestiert.
Der wuchtige, aber sehr dynamische Baukörper von Hadids Wissenschaftszentrum erweckt außen wie innen einen fließenden und schwebenden Eindruck. In der Auswahl von Ausschnitt und Verarbeitung der Motive gelingt der Fotografin auf subtile Weise eine andere Lesart der Inhalte: Fotografien von hoher grafischer Wirkung, die unsere Wahrnehmung der Gegenwart in Frage stellen und als manipulierbar enthüllen.

Die Arbeiten der Künstlerin beruhen auf einer Auseinandersetzung mit der Fotografie als Medium der künstlerischen Gestaltung und vor allem als Ausdrucksmittel einer spezifisch zeitgenössischen Ästhetik.
Die Aufmerksamkeit der Autorin fokussiert in der Reflektion einer/unserer Moderne, ihrer Signifikanten, ihrer Mythen, ihrer trügerischen Scheinwelten. Die Fotografie dient als Ausgangspunkt – auch deswegen, weil ihr Bezug zur Realität ein unmittelbarer, ein dokumentarischer, ein “zeugenhafter” ist –, um aber dann diese Schwelle zu überschreiten, die gesammelten Eindrücke zu modifizieren und zu überzeichnen im Sinne einer metaphorischen Inszenierung. Nicht zufällig gehören herausragende Bauwerke, industrielle Anlagen und Einrichtungen, Symbole des technologischen Fortschritts, Errungenschaften in der Fortbewegung unserer Epoche oder Typologien der Freizeitkultur zu den bevorzugten Motiven. In ihren “Visionen” mutieren alle diese Ikonen zu abstrahiert-zeichenhaften Kompositionen, zu traumhaften, entrückt wirkenden Bildern, welche uns wie durch ein Zeitfenster auf die Gegenwart als Vergangenheit blicken lassen, welche uns Ferne und Nähe zugleich suggerieren.

Antje Hanebeck beherrscht meisterhaft alle zur Verfügung stehenden Finessen ihres Genres. Sie setzt sie mit höchster Sensibilität ein, vor dem Hintergrund einer profunden Kenntnis ihrer historischen Entwicklung: wie etwa Unschärfen, malerische Manipulationen, den kalkulierten Einsatz von “schrägen” Perspektiven, Gitterwerk und Schattenspiel. Die konkrete Dingwelt ist ihr Partner, welche gleichwohl verklärt und in surreal-fantastische Imaginationen überführt wird. Gegenwart scheint ständig im Verschwinden begriffen und nur ihre Phantome bleiben zurück. Hanebeck reagiert auf jene Phänomene, welche die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts durchweg beschäftigt haben und formuliert eine poetische Idee von dem, was gewesen sein mag, was ist, und was vielleicht sein wird. Die Autorin simuliert in ihren Bildern quasi die Qualität des historischen Dokuments.

Ellen Maurer Zilioli, Gardone/Riviera 2007

PRESSE: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/

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