Günter Blum

Günter Blum

In fünf erfolgreichen Ausstellungen in den Jahren 1993, 1995, kurz nach seinem viel zu frühen Tod im Jahre 1997, 2000 und 2003 mit der Zeitschrift PLAYBOY als Sponsor hat die Galerie REYGERS die Photoarbeiten des renommierten deutschen Aktphotographen Günter Blum gezeigt

In den letzten Jahren führte eine ständig steigende Nachfrage nach seinen eigenhändig entwickelten und signierten originalen Photoprints zu immer neuen Preisrekorden. Günter Blum hatte es geschafft, mit seiner photographierten Blöße ohne Bloßstellung seiner sinnlichen und doch unnahbaren Modelle auf gestochen scharfen Prints den Zeitgeist der 90‘er Jahre zu treffen!
Bis ins kleinste Detail inszenierte er Kontraste zwischen kühler Ästhetik und provokanter Erotik und unterstützte dies mit starken Licht- und Schatteneffekten. Dies mag der Grund für die rasante Wertsteigerung seiner Originale sein.

Die Galerie REYGERS verfügt über einen Fundus von Vintageprints von Günter Blum aus seiner Schaffensperiode von 1989 – 1996.

Anläßlich der Eröffnung der Ausstellung "Photographien von Günter Blum" am 14. März 2000 in der Galerie REYGERS sprach Prof. Florian Hufnagl, Direktor der "Neuen Sammlung" in der Pinakothek der Moderne.
Folgend Auszüge aus seiner Rede:


Meine Damen und Herren,

spricht man über Aktphotographie, so gehört es selbst in unserem ach so aufgeklärten jungen und tabufreien neuen Jahrhundert zum guten Ton, das Sujet historisch zu verankern, ihm eine Ahnengalerie zu verschaffen und es so quasi post mortem zu adeln.
Traditionen halten sich – wie jene etwa auch, jede sogenannte gelehrte Rede – jedenfalls in Deutschland – mit einem Goethe Zitat beginnen zu lassen.
Meine Damen und Herren, mir war ein deratiger Einstieg in eine Materie schon immer verhaßt, und – was in diesem Zusammenhang viel wichtiger ist – Worte dieser Art sind lusttötend und um Lust geht es ja schließlich bei den Aufnahmen von Günter Blum – und zwar um erotische Lust.
Trotzdem konnte ich der Versuchung, dieser Un-Sitte etwas entgegenzustellen, nicht ganz wiederstehen und machte mich auf die Suche:
„Und dann ....... jäh und blitzartig (...): eine nackte Tänzerin mit strammen Brüsten und den ambraschimmernden Hüften einer andalusischen Stute!“ Zitatende. Umberto Eco hat Platon ins Striptease-Lokal versetzt und die Situation platonisch-philosophisch erforscht – könnte es einen besseren zeitgenössischen Nachfolger des Goethe-„Refrains“ geben?
Und damit habe ich meinen Worten den würdigen Einstieg verliehen.
Günter Blum entführt uns in durchaus vergleichbarer Weise in eine Traumwelt. Zielobjekt ist – im allgemeinen nicht unbedingt selbstverständlich – der weibliche Körper – den man heute manchmal fast für das inflationär gewordene Label eines Auslaufmodells halten könnte – überrollt von der willigen und billigen Cyberspace-Kopie. Ein so häufig benutztes Motiv der Medien- und Werbewelt, dass wir es oft nur mit müdem Blick streifen – wie eben gerade aktuell eine ganz schwache profane Version von Botticellis Venus, als die uns Naomi Campbell von den Litfaßsäulen entgegen tänzelt.
Nicht so bei Günter Blum.
Aus diesem Hintergrund ragen die photographischen Szenarien Günter Blums heraus. Sicher – es handelt sich wiederum um perfekte Bilder von perfekten Körpern in perfekten Arrangements, die viel enthüllen, nicht nur das Objekt der Begierde, sondern selbstverständlich auch die Passionen des Autors. „Intimate Visions“ – fällt mir da ein, ein Buchtitel, dem ich jüngst begegnet bin.
Lust: bekanntlich die Triebfeder allen menschlichen Handelns und gefährlich in ihrer Verdrängung – Besessenheit, Schönheit, Verheißung – tritt uns da ganz unverblümt und unmittelbar entgegen. Diese blanke Offenheit – denn wahre Nacktheit entsteht erst mit dem kleinen Stückchen Bekleidung – also dieses mühelose Bekenntnis des Photographen frappiert.
Frappiert vor allem auch deshalb, wenn ich mir die vielen angestrengten Bemühungen zahlreicher Kollegen Günter Blums ins Gedächtnis rufe, die sich mit intellektualisierten Interpretationen schmücken wollen.
Ich möchte hier gar nicht auf konkrete Beispiele eingehen, die Ausgangslage ist ja doch auch immer eine andere. Wie Helmut Newton vollkommen unterschiedliche künstlerische Intentionen präsentiert, oder eben auch die Verwicklungen und Verstrickungen eines Nobuyoshi Araki, beide hochgelobte Superstars der Photo-Szene. Abgesehen natürlich von den feministisch orientierten Photographinnen und Künstlerinnen, die sich der Wiederaneignung des weiblichen Körpers widmen und widmen müssen. Aber das steht auf einem anderen Blatt.
Günter Blum kommt ohne die Neigung zur artifiziellen Verpackung aus, ohne künstlich beschworene Allusionen, ohne nutzlose Attitüden, ohne gewaltsame Verzerrungen. Seine Aufnahmen muten – auch oder gerade in unserer nackten Bilder-Überfülle – ich möchte fast sagen , klassisch an – ja vielleicht ist es so, daß die Photographen eine gewissermaßen vertraute erotische Phantasie vermitteln.
Ich meine dies in einem positiven Sinne, denn: es sind ja keine anstrengenden Verrenkungen notwendig, um die Botschaften dieser Imaginationen zu verstehen und wir müssen uns auch nicht in die tiefenpsychologischen Abgründe des Photographen begeben, denn seinen Obsessionen dürfen wir getrost folgen. Sie sind weitestgehend gesellschaftlich sanktioniert.
Die Photographie Günter Blums orientiert sich an den klassischen Prämissen der erotischen Inszenierung. Es geht doch immer noch einfach um die Lust des Mannes – ja in diesem Fall des männlichen Voyeurs – Frauen anzuschauen, Frauen zu begegnen, Frauen zu verkleiden und Frauen auszuziehen. Und es geht darum, dieses Begehren zu phantasieren, in Bilder umzusetzen, zu visualisieren, zu träumen.
Trotzdem: das Ganze funktioniert nur mit der Lust der Frauen an der eigenen Inszenierung, an der Verführung, am eigenen Begehren und am Spiel, das da eben zwischen den Geschlechtern passiert. Und dieses Moment ist aus den Bildern abzulesen: dieses geheime Abkommen zwischen Photograph und Modell führt letztlich erst zur erotischen Glaubwürdigkeit seiner Aufnahmen.
Blum benutzt einige wenige Kunstgriffe. Der Akt findet im Innenraum statt. Das Ambiente signalisiert – wenn es überhaupt sichtbar wird – eher Boudoircharakter. Selbst das aus den fünfziger und sechziger Jahren stammende Mobiliar stimmt uns familiär.
Daneben findet sparsames Werkzeug Verwendung: schwarze Highheels, Netzstrümpfe, Lippenstift, lange lackierte Fingernägel, Lack und Leder – gezielt eingesetzte Utensilien, um den Kick zu verstärken. Utensilien – die sich erstaunlicherweise als erotische Assecoires bewährt haben und weiterhin wirken – und daher erotische Fixierung vertraut erscheinen lassen.
Natürlich wird der weibliche Körper zum Fetisch stilisiert, beziehungsweise das Modell stilisiert sich selbst.
Zuweilen – wie mir scheint – mit einem leichten Augenzwinkern des Photographen – entbehrt das Rüschenbett und die Blümchentapete nicht einer gewissen komischen Note.
Aber genau diese Elemente weisen in meinen Augen eher darauf hin, daß sich Blum gerne vom Genre des Films animieren ließ. Der Photograph erweitert die Geschichte, siedelt sie in einer bestimmten räumlichen und zeitlichen Umgebung an – wie eine Erzählung ohne konkreten Anfang und ohne definitives Ende – und dies auf hohem künstlerischen Niveau.

Meine Damen und Herren,
wenn Sie sich nun fragen, ob Sie in mir einen Fachmann für erotische Photographie vor sich haben, oder ob die Neue Sammlung neuerdings ihr Programm um erotische Photographie erweitert, dann muß ich leider passen. Wir verfügen zwar über einen ausgesuchten Bestand internationaler Design- und Architekturphotographie, die Aktphotographie gehört jedoch leider bislang nicht dazu. Allerdings hat der Umgang mit nützlichen und schönen Dingen mein Handling geschult. – Viel Vergnügen.



questions/request | back to top